Wie so viele andere auch machen wir uns Ende jeden Jahres Gedanken darüber was wir im Urlaub machen.
Bei normalen Menschen stellen sich die Fragen: Wohin fahren wir, Berge oder die See? Ist da ein tolles Hotel? Haben die dort ein tolles Animationsprogramm? Machen wir Ausflüge, oder liegen wir nur faul am Strand? Bildungsurlaub oder doch sportliche Aktivitäten? Pauschal mit 5 Sternen, oder eine Ferienwohnung?
Bei uns sieht das ganz anders aus! Die Frage nach dem Wohin ist schnell geklärt: eine Küste, an der wir noch nicht geleuchtfeuert haben. Damit fallen einige Länder sofort durch. Dabei haben wir eine eigene Werteskala. Alles was man mit dem eigenen Auto abfahren kann, muss in nächster Zeit geschehen, weil das Auto sooo lange auch nicht mehr durchhält. Alles was in Krisengebieten liegt, wird nach hinten geschoben. Den schwarzen Kontinent machen wir sowieso später, weil uns da nichts hinzieht. (Außer der Leuchttürme, versteht sich!) ähnlich ist das mit Südamerika, da haben wir ein wenig Angst weil alles so unerschlossen ist. Ebenso Asien. Also ist klar - erst Europa, dann Australien und Nordamerika und dann der Rest.
Die nächste Frage, nämlich die nach dem tollen Hotel, steht nicht zur Debatte. Wir nehmen die Pension, die am billigsten ist. Dabei kann man schon einige interessante Unterschiede erleben. Man bekommt in Griechenland zum Beispiel für 21,- € ein neuerbautes Appartement mit Küche und Bad, Terrasse mit Meerblick, oder auch ein abgewracktes Hotelzimmer mit Bad auf dem Gang, inklusive Kakerlaken. Da heißt es vor Ort nur: Suchen! Aber dazu später mehr.
Animation, sportliche Betätigung und Bildung, das hat man automatisch beim Leuchtfeuern, nur mit dem Faulenzen am Strand, da gibt es Probleme. Jedenfalls wenn man mit meinem Mann unterwegs ist, der Nichtstun für einen verwerflichen Makel hält. Außerdem könnte man doch in der Zeit wieder 2-3 Leuchtfeuer "schießen"
Unsere Vorbereitung beginnt folgendermaßen:
Wir suchen eine Küste. Für Juni 2002 haben wir uns die Ostküste Spaniens ausgewählt. Danach wird Michael Müller gekauft. Nein, wir nehmen keinen Mann mit, sondern den passenden Reiseführer vom gleichnamigen Verlag. Das ist der Beste für Individualreisende. Wenn Michael schreibt, dass im Ort X schlecht Zimmer zu finden sind, dann kann man sich darauf verlassen und sollte besser den nächsten Ort anfahren.
Dann geht es an die statistischen Vorbereitungen, die ideal für lange Winterabende sind. Wir schreiben die Leuchtfeuer (LF) auf. Alex sitzt mit 14 Seekarten und dem Leuchtfeuerverzeichnis am Boden und sagt mir die zu feuernden Objekte an. Das hört sich etwa so an:
E 0396.62, Puerto de Garraf, Dique de Levante (was Ostmole bedeutet), Kopf, rot, Seite 28
Das machen wir so zwischen 250 und 500 mal und schon sind wir fertig! Na, noch nicht so ganz..... Danach habe ich die ehrenvolle Aufgabe, alle Angaben in den PC zu hacken was aber einen großen Vorteil hat. Man kann es dann lesen! Außerdem haben wir dann direkt die "Fotospalte", in der wir die fotografierten LF eintragen. Aber auch dazu später mehr. Nun, da wir wissen wie viel LF es sind, planen wir die Dauer des Urlaubs. Für 30 Stück fahren wir gar nicht erst los. Das reicht gerade für einen Wochenend-Trip. 300 in einer Woche, bei guter Verkehrsanbindung sind locker zu schaffen. Anfangs hatten wir noch nicht so den überblick. Da sind wir doch tatsächlich für 112 LF zum Peloponnes geflogen und waren nach 9 Tagen fertig!! Da wir erst 2000 km hinter uns hatten sind wir also rauf auf die Fähre nach Zakinthos und nach Kefalonia zum weiteren Feuern.
Da war Kroatien schon ergiebiger mit 396 Stück auf 3500 km. Wir reden hier übrigens von einem 2-Wochen-Urlaub.
Zurück zu unseren Vorbereitungen. Nach der statistisch errechneten Formel weiß man also, dass die Küste in 14 Tagen zu schaffen ist. Dabei sind Badefreizeiten nicht eingerechnet. Wer will schon faulenzen!!
Nun kommt Alex. Er tüftelt aus, zu welchem Flughafen wir am günstigsten fliegen und von wo ab wir den Rückflug nehmen. Schließlich hat die Fahrerin der Langstrecke keine Lust die Strecke doppelt zu fahren.
Dann wird das Mietauto ausgesucht. Das ist das Wichtigste am ganzen Urlaub, denn wir wohnen ja täglich 10 Stunden darin. Alles muss seinen angestammten Platz haben, sonst bricht das Chaos aus. Der Wagen soll außerdem preiswert sein, viel Platz für´s Gepäck haben, genügend PS für steile Küstenstraßen, wenig verbrauchen, und den Wohnkomfort eines Reisemobils haben. Meist bleiben wir dann bei einem Opel Astra oder Toyota Starlet hängen. Nachdem Flug (natürlich Stand-by, damit der Urlaub schon mit Nervenkitzel beginnt) und Mietwagen gebucht sind geht es an die Packliste für Leuchtfeuerer. Man nimmt prinzipiell andere Sachen mit als Pauschalurlauber. Oder kennen Sie welche, die GPS und Autowasserkocher im Gepäck haben? Da ist zu erst einmal die Fotoausrüstung.
Objektive, so groß wie Observations-Fernrohre, Stativ, das erwähnte GPS, aber ein nautisches, weil uns Straßenangaben in der Pampas weniger nutzen als LF-Koordinaten.
Straßenkarten mit einem Maßstab, dass man Mäusepfade erkennen kann.
20-30 Filme um die Objekte der Begierde auf Zelluloid zu bannen.
Leuchtfeuerverzeichnis sowie Kopien der Seekarten.
Taschenlampe und Taschenmesser (man weiß ja nie.....)
Dann kommt die Küche! Das ist ein Kulturbeutel, in den exakt 2 Tassen, 1 Tauchsieder, Nes-Cafe, Zucker, Trockenmilch, Messer, Löffel, Geschirrhandtuch und Spüllappen passen.
Zum Anziehen braucht der Leuchtfeuerer recht wenig. Schließlich ist man jeden Abend in einem anderen Ort und kann das Kleid 5 x anziehen!
Dann braucht Frau so wichtige Dinge wie: Reiseführer, Rätselhefte, Bücher und Frauenzeitungen. Schließlich verbringt Frau die Hälfte des Tages allein im oder am Auto, derweil der Gatte mit dem Fahrrad an irgendwelchen Klippen entlang fährt um seine Gestänge zu fotografieren. Diese heißen in der Fachsprache: Metal framework tower on pedestal, was sie aber auch nicht schöner macht. Aber wie sagt Alex immer:" Man muss alle seine Kinder lieben, auch die hässlichen!"
Zurück zum Packen. Also trotz verminderter Kleideranzahl kommen wir auf 2 volle Koffer und dem ausklappbaren Fahrrad! Dieses befindet sich in einer eigens dafür vorgesehenen Reisetasche. Wir nennen es das Molenrad. Es eignet sich hervorragend für Fahrten innerhalb von Hafengeländen zu denen der Zutritt natürlich verboten ist. Das hat aber den Vorteil, dass Frau nur einmal einen Parkplatz suchen muss und wieder in ihrem Buch lesen kann.
So voll bepackt geht es also los!
Am Flughafen heftet sich Alex seinen Airportausweis an die Brust und hofft dadurch, die gelangweilten Check-in-Damen milde auf sein übergepäck zu stimmen. Wenn wir Glück haben geht das Fahrrad als Sportgepäck durch und wir kommen trotz Stand-by-Ticket mit in den Flieger.
Die ruhigste Zeit im Urlaub ist eigentlich der Flug, vorausgesetzt es gibt keine Turbulenzen. Da hat man noch Vorfreude und Enthusiasmus in sich. Das legt sich aber spätestens nach dem 150. Leuchtfeuer.
Man kann aber auch ungewöhnliches im Flieger erleben. So geschehen auf dem Rückflug von Araxos. Das ist ein kleiner griechischer Militärflughafen, der in der Saison auch von Chartermaschinen genutzt wird. An diesem Tag war nicht viel los, eine Aerolloyd-Maschine kam rein, und unsere ging raus. Wir bekamen trotz Stand-by-Ticket unsere Plätze, und hatten obendrein noch das Glück, dass Alex den Kapitän kannte, der uns zu Start und Landung ins Cockpit einlud. Da saß ich nun mit meinem Sommerkleid und dem 5-Punkt-Gurt! Hat schon mal jemand versucht den Gurt zwischen den Beinen anzulegen und trotzdem einen gesitteten Eindruck im Kleid zu machen?
Glücklicherweise saß ich hinterm Kapitän, so das nur der Co-Pilot unter meinen Rock gucken konnte. So fuhren wir Richtung Start- und Landebahn, unterhielten uns und warteten auf die Starterlaubnis. Diese wurde erteilt und in dem Moment in dem wir loslegen wollten, sahen wir am Himmel einen Flieger, der direkt auf uns zu kam! Über Funk einigten sich die beiden Piloten darauf, dass das fliegende Flugzeug abdrehen sollte. Der Tower des verschlafenen Militärflughafens hat davon irgendwie wenig mitbekommen. Na, bei dem Stress der aufkommt, wenn man 2 Flieger pro Tag abfertigen soll, da kann so was ja mal passieren!!!!
Als wir unsere Flughöhe erreicht hatten, gingen wir auf unsere Plätze. Dort hatte sich ein Herr schwer breit gemacht. Wir baten ihn höflich, den Platz zu räumen. Er war total verdutzt und fragte wo wir denn jetzt her kommen? Alex antwortete lapidar: "Och, wir haben uns draußen nur ein wenig die Füße vertreten!"
Ich bin mal gespannt wie es am 13.06.02 wird. Alex hat wieder Stand by nach Reus gebucht. Aber er versicherte mir: "Einer kommt auf jeden Fall mit, und der andere kann ja dann am nächsten Tag nach Alicante nachfliegen!!!" Ich bin einverstanden, solange er derjenige ist der mitkommt, den Mietwagen in Empfang nimmt, sich eine Übernachtungsmöglichkeit sucht und mich am nächsten Tag in Alicante abholt!
Ja, so abenteuerlich kann Leuchtfeuern sein.
Fortsetzung folgt nach dem nächsten Urlaub.